Bereits im 19. Jahrhundert gab es in der Josefskapelle eine kleine Hausorgel. Von ihr wurde 1846 berichtet Diese kleine Orgel ist in sehr armen Zustande, was den ton betrifft; in bezug auf ihre alterthümliche Fassung aber wertvoll. Sie war 1872 bereits verkauft. Zwischenzeitlich besorgten Harmonien und elektronische Instrumente den musikalischen Dienst. Seit 2015 steht hier als Dauerleihgabe ein Orgelpositiv. Das Gehäuse stammt aus der Zeit um 1660 das darin befindliche Werk wurde 1968 durch die Firma Kubak in Augsburg neu geschaffen. Mehr zur Geschichte dieses Orgelwerks, kann dem untenstehenden Artikel entnommen werden.
Orgel - St. Josef, Bacharach

Disposition
Manual (C, D-c''')
Copel 8'
Floete 4'
Principal 2'
Octav 1'
Pedal (C, D-f)
(an Manual angehängt)
Die Orgel in der Josefskapelle zu Bacharach
Mitten in der Altstadt von Bacharach – kaum als Sakralgebäude aus der Häuserzeile der Oberstraße ersichtlich – steht die katholische Kapelle St. Josef. Sie wurde vom pfälzischen Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach gestiftet und 1758 durch den Kurpfälzischen Hofbaumeister Franz Wilhelm Rabaliatti erbaut.[1] Der Lage geschuldet, ist die einschiffige Kapelle nach Westen ausgerichtet. Südlich und Nördlich schließen sich straßenseitig die Gebäudeflügel der ehemaligen katholischen Lateinschule an, der die Josefskapelle als Schulkapelle diente.
In der Josefskapelle steht eine kleine Orgel (Positiv), die zuvor in der Krypta der Basilika St. Aposteln in Köln stand (Bild1: Orgel in Krypta von St. Aposteln, Köln). Dort wurde eine neue Truhenorgel[2] mit angehängtem Pedal der Orgelbauwerkstatt Josef Classen in Geilenkirchen bei Aachen angeschafft, sodass das bisherige Instrument entbehrlich wurde und nun für die Bacharacher Kapelle als Dauerleihgabe zur Verfügung steht (Bild2: Orgel von vorne in der Josefskapelle, Bacharach). Am Mittwoch, den 26. August 2015 wurde das Instrument von Köln nach Bacharach transferiert. Dies übernahm die Orgelbaufirma Rainer Müller aus Merxheim (Landkreis Bad Kreuznach), die seit 1996 auch die Orgel der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus wartet, 2006 die Restaurierung der Stumm-Orgel in der evangelischen Kirche St. Anna zu Steeg abschloss und mittlerweile auch alle Orgeln der evangelischen Kirchengemeinde Vierthäler wartet.
Beim Abbau in Köln wurde in der Orgel folgende Inschrift entdeckt:
„1966 in Hausen bei Aindling, Diöcese Augsburg
entdeckt. Gehäuse rekonstruiert. Neu gefasst
(Binapfl-Augsburg). Neues Werk 1968.
Alte Disp.: Man C-c''' kurze Tiefe Octav
Copel 8‘
Flöte 4‘
Principal 2‘
Octav 1‘
unter: Prälat D.Dr. Th. Schnitzler, Domorganist Wolfg. Wünsch
Orgelbauer R. Kubak – Augsburg 30.11.1968“
Der kleine Ort Hausen ist heute Ortsteil von Aindling und liegt ca. 20 km nordöstlich von Augsburg. In Aindling erfolgte 1787 für 200 Gulden ein Orgelneubau mit einem Manual und sieben Registern; eine Reparatur fand schon 1795 statt. Außerdem wurde für die Pfarrkirche Aindling bei einer Umfrage im Jahre 1814 ein Positiv mit drei Registern und einem Wert von höchstens 40 Gulden genannt; „sein Alter bei 90 Jahren“ angegeben.[3] Unklar ist, ob es sich hierbei um jenes Positiv handelt, dessen Gehäuse in Hausen entdeckt wurde.
Theodor Schnitzler (1910–1982) war von 1960 bis 1977 Pfarrer von St. Aposteln. Wolfgang Wünsch (*1930) war 1968 bis 1995 Domorganist und Domkapellmeister in Bamberg. Die Firma Binapfl ist ein Kirchenmalerbetrieb in Augsburg. Sie besorgte die Fassung des Gehäuses: Kasein auf Kreidegrund mit seidenmattem Überzug. Rudolf Kubak (1927–2008) gründete 1961 einen Orgelbaubetrieb in Augsburg, der 1996 von Robert Knöpfler übernommen wurde. Das Orgelpositiv wird in der 10-jährigen Jubiläumsschrift[4] der Firma Kubak behandelt: „unbek. Meister ca. 1660 (neues Werk)“. Das Gehäuse – auf 1660 +/- 20 Jahre geschätzt – wurde rekonstruiert. Die Pedalklaviatur (sie wurde umgebaut) ist zwar alt, es ist aber nicht klar, ob sie mit dem Gehäuse gefunden wurde. Die Pfeifen und Mechanik der Orgel wurden 1968 neu gebaut (die Rechnung hat das Datum 3. Dezember). Das Werk wurde aber nicht in die Opus-Zählung der Firma Kubak aufgenommen. Zunächst stand das Instrument in der Kirche St. Aposteln selbst und hatte den großen Kirchenraum zu füllen, deshalb war die Octav 1‘ mit zwei Pfeifenreihen besetzt. Diese zweite Pfeifenreihe wurde bei der Umsetzung in die Krypta entfernt.[5]
Die Spieleinrichtung (Klaviaturen und die Schieber für das Ein- und Ausschalten der einzelnen Register) befinden sich auf der Hinterseite der Orgel, sie ist also hinterspielig (Bild3: Orgel von hinten in der Josefskapelle, Bacharach). Das Manual (Handklaviatur) hat einen Umfang von vier Oktaven ohne das tiefe Cis (C, D–c3). Das angehängte (ohne eigene Register) Pedal (Fußklaviatur) hat einen Umfang von 1 1/2 Oktaven, ebenfallt ohne das tiefe Cis (C, D–f°). Die Disposition (Zusammenstellung der Register) weist insgesamt vier Register (Pfeifenreihen) auf. Die beiden höheren Pfeifenreihen (Principal 2 Fuß und Octav 1 Fuß) sind aus Metall (Zinn-Blei-Legierung). Nach der Bauart machen sie den eigentlichen „Orgelklang“ aus. Die größten 15 Pfeifen des Principal 2 Fuß sind vorne sichtbar (im Prospekt). Die beiden tieferen Register (Copel 8 Fuß und Fluet 4 Fuß) sind aus Holz gebaut. Die Pfeifen sind oben geschlossen (gedackt), sodass sie nur die halbe Länge einer offenen Pfeife gleicher Tonhöhe benötigten. Die Längenangabe eines Registers wird in dem alten Maß „Fuß“ angegeben (ca. 30 cm). Ein 8 Fuß-Register (hier Copel 8 Fuß) hat die normale Tonhöhe (a1 = 440 Hz). Das bedeutet, dass seine tiefste Pfeife 8 Fuß (ca. 2,40 m) lang sein müsste. Da die Pfeifen aber oben geschlossen sind, und somit nur die halbe Länge brauchen, sind es also 1,20 m. Die Pfeifen befinden sich im oberen Teil des Orgelgehäuses. Da eine Orgel ein Blasinstrument ist, benötigt sie zum Klingen Luft. Die Winderzeugung (Motor und Magazinbalg) befindet sich im Untergehäuse.
Das Orgelpositiv steht auf der Kapellenempore der Josefskapelle (Bild4: Orgel unten in der Josefskapelle, Bacharach). Auf deren Brüstung befindet sich ein Wappen des Kapellenstifters Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach, Pfalzgraf bei Rhein (1724–1799). Es zeigt alle Territorien, dessen Herrscher er war:
- Wappenmitte: Ursprüngliches kurpfälzisches Wappen, des Pfalzgrafen bei Rhein. Oben links und unten rechts befindet sich ein goldener Löwe auf schwarzem Grund (Pfalz), rechts oben und links unten, die blau-weißen Rauten (Witrtelsbach). Diese vier Felder treffen bei dem goldenen Reichsapfel auf rotem Grund – dieser kennzeichnet, dass es sich um einen Kurfürsten, Erztruchsess, handelt – zusammen. Karl Theodor war ab 1742 Kurfürst der Pfalz bei Rhein bzw. Kurfürst von Pfalz-Bayern (1777–1799).
- Obere Zeile über dem Kurpfälzischen Wappen: Herzogtümer
- Kleve: Goldenes Glevenrad auf rotem Grund.
- Jülich Schwarzer Löwe auf goldenem Grund.
- Berg: Roter Löwe auf silbernem Grund.
Das Herzogtum Jülich-Berg war seit 1614 im Besitz von Pfalz-Neuburg und gelangte somit 1685 an Kurpfalz. Das Herzogtum Kleve gelangte an Preußen. Beide beanspruchten auch den Titel des jeweils anderen Teils. Karl Theodor war ab 1742 Herzog von Jülich-Berg.
- Mittlere Zeile:
- Grafschaft Moes: Schwarzer Balken auf goldenem Grund – sie war Lehensabhängig vom Herzogtum Jülich-Kleve-Berg.
- Markgrafschaft Bergen op Zoom (heute Niederlande): 3 silberne Andreaskreuze auf rotem Grund). Karl Theodor erbte die Markgraf von Bergen op Zoom 1728 und war bis 1795 ihr Markgraf.
- Untere Zeile:
- Grafschaft Mark: Silbern-rote geschachter Balken auf goldenem Grund – sie war seit 1609 mit dem Herzogtum Jülich-Kleve-Berg verbunden.
- Grafschaft Veldenz: blauer Löwe auf silbernem Grund – sie befand sich seit 1444 im Besitz von Pfalz-Zweibrücken,
- Grafschaft Sponheim: Silbern-rote Schachung. – sie war seit 1437 ein Kondominat von Baden und Veldenz bzw. Pfalz.
- Grafschaft Ravensberg: Drei rote Sparren auf silbernem Grund – sie war seit 1346 mit dem Herzogtum Jülich-Kleve-Berg verbunden.
Das Orgelpositiv befand sich vorher in der Basilika St. Aposteln in Köln. Die Josefskapelle, in der sie nun steht, befindet sich neben dem ehemaligen Apostelhof, eines Wirtschaftshofs des ehemaligen Kölner Stiftes St. Aposteln. Schon im 14. Jahrhundert besaß das Apostelstift Weingärten im Bezirk Bacharach.[6] 1356 wird „zu Bacharach im Oberdorf ein Haus mit Garten“ erwähnt, in dem „dem Kapitel zur Herbzeit eine Stube und das Kelterhaus“ zur Verfügung stand[7] und 1490 heißt es „daß der Priester Clais Koppe von Bacharach sein Haus und Garten dem Stift St. Aposteln zu Köln aufgetragen“.[8] Der Apostelhof wird von dem Volksschriftsteller W. O. von Horn[9] in seinem Roman „Der Apostelhof in Bacharach am Rhein“ ausführlich beschrieben.[10] Danach handelte es sich um eine stattliche 3-Flügel-Anlage mit Treppenturm. Der Hauptflügel befand sich an der Hangseite im Westen, von ihm ist nur der große Keller im Erdgeschoß erhalten. Richtung Oberstraße hin befanden sich im Süden und Norden schmale Seitenflügel.
Dass schon mal eine Orgel in der Josefskapelle gestanden hat, ist heute nicht mehr bekannt. Es gab elektronische Instrumente und davor ein Harmonium. Es wurde 1927 für 95 Reichsmark von der Orgelbaufirma Christian Gerhardt (Boppard) angeschafft, als die Dernbacher Schwestern die Kapelle als Klosterkapelle bezogen. Aber in der Josefskapelle hat auch schon mal eine Orgel gestanden. Sie wurde wohl kurz nach 1800 von einem, durch die Säkularisation aufgelösten, Kloster erworben. Wie ein Inventar von 1823 berichtet, war die Orgel damals schon vorhanden: „Die Pfarrkapelle in der Stadt, enthaltend einen Altar nebst Kanzel und erforderlichen Knie und Sitze Bänken einem Doxal und Orgel“. Näheres erfahren wir aus dem Jahre 1846: „Diese kleine Orgel ist in sehr armen Zustande, was den ton betrifft; in bezug auf ihre alterthümliche Fassung aber wertvoll“. Ein Jahre später: heißt es: „in der Schulkapelle steht eine kleine Hausorgel von 31/2 Octav u. 4 Registern, deren Gehäuse bemerkenswerthes Schnitzwerk hat“. Das Schnitzwerk soll aus dem 17. Jahrhundert sein. 1872 war das Instrument dann nicht mehr vorhanden: „Eine kleine ganz unbrauchbar gewordene Orgel in der Pfarrkapelle wurde mit Genehmigung des Bischöfl. Ordinariats veräußert“.[11]
Quellen:
[1] Dieter Krienke: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland), Band 18.1 (Kreis Mainz-Bingen – Städte Bingen und Ingelheim, Gemeinde Budenheim, Verbandsgemeinden Gau-Algesheim, Heidesheim, Rhein-Nahe und Sprendlingen-Gensingen), Worms (Werner) 2007, S. 468–470.
[2] Disposition: Holzgedackt 8‘, Flöte 4‘, Prinzipal 4‘ Prinzipal 2‘.
[3] Freundliche Mitteilung von Hermann Fischer (Aschaffenburg) vom 21.08.2016 aus: Hermann Fischer und Theodor Wohnhaas: Eine Orgelstatistik von 1814 für den oberbayerischen Anteil der Diözese Augsburg. In: Jahrbuch für Augsburger Bistumsgeschichte 8, Augsburg (Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte) 1974, 269–291, hier S. 271.
[4] 10 Jahre Orgelbauwerkstatt Rudolf Kubak Augsburg. Augsburg [1971].
[5] Freundliche Mitteilungen von Friedhelm Hohmann (Köln) und Robert Knöpfler (Orgelbau Kubak, Augsburg).
[6] Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 204 (Aposteln), Signatur U 2/195 sowie Altsignaturen 162, 203, 204, 220.
[7] Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 204 (Aposteln), Altsignatur 200.
[8] Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 204 (Aposteln), Signatur U1/407B.
[9] Wilhelm Oertel (1819–1835 evangelischer Pfarrer in Manubach).
[10] W. O. von Horn: Der Apostelhof in Bacharach am Rhein, Bacharach (Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler) 1998 (Nachdruck), S. 35–37.
[11] Katholisches Pfarrarchiv Bacharach, Mappe Inventare.
21.03.2020, Christian Binz
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